In diesem Beitrag nehme ich reflexive Bezüge zu meiner Biografie. Ich will ein Gespür dafür geben, was subtile, doch wirkmächtige Formen weisser Überlegenheitsfantasien mit einem so anstellen. Je mehr ich darüber forsche und nachdenke, umso unfassbarer wird mir diese Angelegenheit.
Nun, ich fange mal bei der Überlegenheit an. Ungefähr 2015 habe ich mich von den Bürojobs verabschiedet, welche direkt sichtbar ausbeuterische Zwecke verfolgen. (Job auf der Bank, in einer Vermittlungsagentur von Werbung, und den Gedanken «dass es nur ein gutes Geschäftsjahr wird, wenn wir mehr Umsatz generieren als das Vorjahr».) Das machte mich irre. Ich schnupperte im Suppen-Take-away. Ich fühlte mich wichtiger und besser als die Personen, welche hinter dem Tresen standen und in unglaublicher Geschwindigkeit kiloweise Suppentöpfe füllten. Wären es Cintias und Philipps gewesen, welche neben ihrem Studium ein bisschen jobbten, wäre es wohl anders rum gewesen. (Ich würde es diesen stereotypischen studierenden «whities» inzwischen gar nicht mehr zutrauen.) Irgendwelche Narrative von Leben ordnete ich also in «gut» und «besser» ein. Warum hatte ich den Eindruck, dass ich was Besseres bin? Weil ich die einzige Person war, welche in der Schweiz geboren ist? Weiss ist? Mal einen Bürostuhl erwärmt hat? (Wovon sollte ich Letzteres überhaupt wissen??) Dieses sich ein wenig besser fühlen, das kommt mir so bekannt vor und ich bin davon überzeugt, dass es internalisierte Überlegenheitsgedanken sind, welche unser koloniales Erbe herbeigeführt hat.
Auch 2026 stolpere ich regelmässig über solche Annahmen, welche in Millisekunden durch meinen Kopf schiessen. Warum in der Welt gehe ich davon aus, dass ein verwöhnter Philipp mehr leistet als eine potentielle Mitarbeiterin in der Suppenküche, welche dies nicht nur als Job nebenbei sieht? Der Ort wäre das ideale Aushängeschild für gelungene Diversität und einem Powerhouse als Chefin aus Kasachstan. Irgendwo im Bild ist noch eine Schweizer Käse, die inzwischen 4 Jahre an dem Ort arbeitet und vieles durch einen Betrieb in der Gastronomie gelernt hat.
So verliere ich — in ein paar Absätzen bereits wieder, was Whiteness eigentlich ist und wo es überall auftaucht. Ich glaub, so oft hängt es daran, dass Menschen mit verhältnismässig vielen Privilegien (wie zum Beispiel einwandfreies Schweizerdeutsch) sich als Universalmensch begreifen und als richtig(er) als der Rest. Und natürlich: super subtil. Niemensch (zumindest in meinen Kreisen) will ja ra*ist sein.
Um nicht abzuschliessen, als wäre ich die Krone der Schöpfung, die was erkannt hat, will ich nochmals in den Moment zurück, den ich nach etwa 3–4 Jahren hatte, als ich dort gearbeitet hatte. Und zwar das Gefühl, zu betrügen. In dieser Zeit habe ich die Berufsmaturität nachgeholt und mich für die Kunsthochschule beworben. Und ich spürte so tief, dass ich mir hier etwas rausnehmen kann. Ich kann es mir vorstellen, dass ich gut genug bin für so eine Hochschule. Und dass ich nun weiterziehe. Auf mich wartet noch was Besseres. Was Anerkannteres. Irgendwie ein Gefühl, welches sich nur lücken- und wohl auch fehlerhaft beschreiben lässt.
Anmerkung: In diesem «besseren» aka. mehr angesehenen Umfeld gabs natürlich rein zufälligerweise vor allem Studierende mit Eltern, welche ebenso studiert haben, im Mindesten mit gutbürgerlichem Hintergrund.
Weitere Gedanken dazu folgen.